Kommunikation planen, Kontakte pflegen, Kunden gewinnen

Die Philsophie vom Schillerdenkmal und ich (c) Foto von Birgit BöllingerEin Interview mit der Künstlerin und Bloggerin Susanne Haun

Die Business-Kommunikation so gestalten, dass sie einem nicht über den Kopf wächst, sondern zielgerichtet in einen Flow kommt, ist ein wichtiges Thema für alle Selbstständige. Kürzlich habe ich dazu ein Netzwerktreffen in der Remise Steglitz veranstaltet. Besonders beindruckte mich das kreative und gleichzeitig sehr strukturierte Vorgehen der Künstlerin Susanne Haun, die ich im kurz darauf interviewen konnte. Das inspirierende Gespräch habe ich zusammengefasst und gebe hier wichtigste Prinzipien und viele Anregungen wieder.

Zeit einteilen und fokussieren

„Ein strukturierter Tagesablauf hilft mir, meine Zeit sinnvoll einzuteilen und wirklich produktiv zu sein. Ich bin da sehr diszipliniert und gliedere meinen Tag. Morgens bin ich kreativ und produktiv.

Ich starte gewöhnlich mit einer Zeichnung. Anschließend schreibe ich meinen täglichen Blogbeitrag und kümmere mich um die sozialen Medien. Dafür brauche ich eine, maximal zwei Stunden am Vormittag.

Die Themen für den Blog plane ich für jeweils eine Woche. Für den Blog und twitter nehmen ich mir täglich etwa eine bis anderthalb Stunden Zeit. Länger als 30 Minuten halte ich mich nicht bei Facebook auf. Neben der disziplinierten Tagesplanung habe ich eine Wochenplanung und schaffe mir bestimmte Rhythmen im Jahr.“

 Die innere Haltung

„Ich will mit meiner Kommunikation nicht sofort und in erster Linie verkaufen. Mir geht es darum, mich zu zeigen, zu teilen, Vertrauen aufzubauen und herauszufinden, ob wir zusammenpassen.“

Ziele setzen

„Mir ist es wichtig, täglich zwei Kontakte anzusprechen. Das können bestehende Kontakte sein oder am besten neue. Heute habe ich zum Beispiel bei der Berliner Woche angerufen um herauszufinden, wer genau für den Wedding zuständig ist. Das gleiche beim Tagesspiegel, denn ich möchte meine Presseinformation für den kommenden Salon an die richtige Person schicken.

Oder ich schreibe Menschen, die ich auf Veranstaltungen kennen gelernt habe, wenn mich interessiert, was sie tun. Ich verfolge damit kein bestimmtes Ziel, mir ist es einfach wichtig, dass man in Kontakt bleibt. Wenn ich eine Idee habe, weiß ich, da gibt es Personen, mit denen ich das besprechen und weiter entwickeln kann.“

Anlässen schaffen

„Vier mal im Jahr veranstalte ich einen Salon hier in meinem Kunstraum. Ich zeige meine eigenen Arbeiten und lade für einen zusätzlichen Mehrwert Partner ein, die den Salon bereichern. Die halten kleine Präsentationen oder Vorträge zu Themen, die meine Gäste interessieren. Dabei ging es beispielsweise um die Akzeptanz textiler Kunst, Malerei und Poesie oder die Dynamik von Kränkung. Eine junge Bekannte erzählte von ihren Erlebnissen in Ghana.

Nicht jeder Salon ist gut besucht, manchmal kommen nur eine Handvoll Leute. Aber das macht nichts, mit denen kann ich mich dann viel intensiver austauschen. Andere Salons ziehen viele Menschen an. Ich halte an dem Konzept fest, denn es macht Spaß und entspricht mir. Rückblickend betrachtet, hat jeder Salon wertvolle Erfahrungen und neue Kontakte gebracht. Ich empfange gerne Besuch bei mir im Atelier, Kontakte werden dabei zu verlässlichen Geschäftspartnern und manchmal sogar zu Freunden.“

 Strukturiert vorgehen

„Drei Monate sind ein überschaubarer Zeitraum. Im Vorfeld meines Salons gibt es ja bestimmte Dinge, die ich immer wieder tun muss: beispielsweise die Werbung auf zwei Kunst-Portalen oder die Werbung in meinem Blog. Hier stelle ich die einzelnen Ausstellungs-Elemente und den Beitrag der Partner vor. Dann müssen die Einladung geschrieben und über meine verschiedenen Verteiler verschickt werden. Drei Wochen vor meinem Salon verschicke ich meine Pressemitteilung. Diese einzelnen Aktivitäten brauchen einen gewissen Vorlauf. Ich teile mir das zeitlich so ein, dass es gut zu schaffen ist.“

Susanne Haun - Zeichnen im Himmelbeet (c) Foto von M.Fanke

 

Synergien nutzen

„Ich blogge täglich über meine aktuelle künstlerische Arbeit, Gedanken und Zeitungsartikel, die mich inspirieren und von denen immer einige in meinem Arbeitszimmer liegen. Wenn ich einen Salon vorbereite, blogge ich darüber und freue mich, welche Synergien sich ergeben.

Für meinen nächsten Salon arbeite ich mit einer Kuratorin zusammen, die stelle ich in meinem Blog vor, so wird sie bekannter und ist inzwischen auch bei google zu finden, was vor einigen Wochen noch nicht der Fall war. Sie schreibt eine Rede und Texte, die ich für die Bewerbung des Salons und die Pressearbeit nutzen kann. Außerdem habe ich so gleich eine Referenz für meine Mappe und weitere Beiträge für meinen Blog.

Wir inspirieren uns gegenseitig und können uns den Salon, den wir gemeinsam vorbereiten und durchführen, wahrscheinlich als Praxisseminar für unser Studium anerkennen lassen. So wird die Kommunikation rund und kommt in einen Flow.“

Kommunikationskanäle auswählen

„Veranstaltungen oder Vorträge zu besuchen, kostet mich am meisten Zeit, darum wähle ich da sehr sorgfältig aus. Ich netzwerke hauptsächlich online und über Telefongespräche. Das funktioniert gut, da ich durch meinen Blog und die Aktivitäten in den sozialen Medien sehr gut sichtbar bin und mir viele Menschen folgen.

Auf Facebook poste ich regelmäßig, manchmal mehrmals täglich, lese aber nicht viel, weil ich mich nur maximal 30 Minuten bei Facebook aufhalte. Trotzdem kann ich dort gut Kontakte halten und meine Leser erreichen.

Über twitter verkaufe ich meine Bücher gut – das habe ich besonders gemerkt, als ich twitter einige Zeit nicht bedient habe. Da sind dann auch meine Verkaufszahlen zurückgegangen. Darum schicke ich zwischendurch immer wieder tweets, zum Beispiel, wenn ich an meinem Blog arbeite oder eine kurze Kaffeepause mache. Hier macht es die Menge – zurzeit habe ich über 1.800 Follower. Im Blog habe ich täglich zwischen 500 und 700 Zugriffe, manchmal bis 1.000, bei Facebook folgen mir knapp 5.000.“

 Aktiv neue Kontakte knüpfen

„Bei jedem Salon oder bei den Kursen, die ich gebe, lege ich immer Listen aus, in die sich die Teilnehmer eintragen können. Auf dem letzten Kunstmarkt, auf dem ich meine Arbeiten verkauft habe, konnte ich zwei Seiten mit Kontakten füllen.

Mit ist eine freundliche und persönliche Ansprache wichtig, ich begrüße meine neuen Kontakte per Email.

Und ich schaue mir andere Blogbeiträge an, gucke, ob mich das interessiert, ganz intuitiv. Wenn es passt, schreibe ich die Leute an und stelle mich vor, erzähle, was mich anspricht.“

Verteiler aufbauen und pflegen

„Ich führe eine Liste mit Kontaktdaten, in die ich auch eintrage, bei welchem Anlass ich die Person getroffen habe, was besprochen wurde, welche Empfindungen oder Ideen ich hatte, ob die Person etwas bei mir gekauft hat oder über welches Thema wir uns unterhalten haben. Wenn ich dann eine neue Idee habe, kann ich so die passenden Personen finden und gezielt Kontakt aufnehmen.“

Sonnenblume - 30 x 40 cm (c) Zeichnung von Susanne Haun

Schritt für Schritt vorgehen

„Dass man bewegungslos vor einem riesigen Berg Arbeit sitzen bleibt – das habe ich mir schon vor langer Zeit abgewöhnt. Ich kann ja auch nicht alles an einem Tag erledigen. Darum gehe ich ganz bewusst Schritt für Schritt vor.

Ich habe dieses Bild: Wenn ich zurückgezogen im Café sitze, bekomme ich keine neuen Kontakte. Aber wenn ich mich umschaue und anfange nach rechts und nach links zu reden, dann kommt das Kontakten automatisch.“

Der nächste Salon findet am 16.08.16 statt.
Kontakt zu Susanne Haun bekommen Sie hier.
Die Fotos für diesen Beitrag wurden von Susanne Haun zur Verfügung gestellt.
Fotos von: Birgit Billiger, M. Fanke, Susanne Haun.

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